Sprungbrett Rapid

Wer etwas erreichen will, muss bereit sein, sich zu verändern.

Vereine sind bei diesen Veränderungen ziemlich eingeschränkt. Sie können zwar versuchen, mehr Einnahmen erwirtschaften, sind aber wegen der Einbettung in der Liga in dieser Disziplin ziemlich unbeweglich. Daher ist auch die Endphase der europäischen Bewerbe eine einseitige Angelegenheit für die immer selben „verdächtigen“ Top-Klubs. Das Punktesystem der UEFA verstärkt die Unterschiede. (siehe „Pyramidonal“)

Spieler dagegen, können Vereine als Sprungbrett für höhere Aufgaben in größeren Ligen nutzen. Und es nicht ganz egal, welches Sprungbrett sie benutzen. Das „Rapid-Sprungbrett“ bietet Einiges. Die Popularität des Vereins garantiert Präsenz in den Medien und Punkte bei den Scouts. Kaum fällt einer auf, ist er auch schon „am Sprung“.

Stefan Maierhofer

Spieler, die einen Verein nicht als die Endstation ihrer Karriere sehen, sind oft nur eine Saison im Einsatz. Stefan Maierhofers Karriere ist typisch für einen Sprungbrettspieler, der einem Verein nur kurz die Treue hält. Zwischen 2002 und 2021 wechselte Stefan Maierhofer 30-mal sein Trikot (Transfermarkt), er spielte also im Schnitt nur 8 Monate für einen Verein. Bei Rapid war er nur eine Saison lang.

Marco Grüll

Marco Grüll ist auch so ein Sprungbrettspieler.

Als ich Marco bei seinem Besuch beim Rapid-Stammtisch im Oktober erstmals hörte, versprühte er große Zielstrebigkeit. Marco war der Idealtyp für einen „Ausbildungsverein“. Die Etappe „Rapid“ ist für ihn nur eine Stufe auf der Karriereleiter, aber mit seiner Leistung hilft er Rapid beim Kampf um einen Platz in der Meistergruppe.

Wertsteigerung

Das Wertbarometer vom Transfermarkt mag nicht immer den genauen Wert eines Spielers wiedergeben, aber der Trend wird sicher korrekt erfasst. Marcos Marktwert verdreifachte sich in den 6 Monaten bei Rapid und stieg von knapp einer Million auf 3,5 Millionen!

Marktwertverlauf von Marco Grüll

Marcos Leistungen sind nicht unbemerkt geblieben, wurde doch Marco schon ins Nationalteam einberufen. Ob ihm das auch bei Ried gelungen wäre? Und wie lange werden wir ihn noch bei Rapid sehen?

Bedauerlich

Aber die Wahl von Marco Grüll zum Spieler des Jahres wirft – bei aller Freude über den spielfreudigen Stürmer – ein schlechtes Bild auf den Rest der Mannschaft. Ist es nicht überraschend, dass ein neuer Spieler den ganzen Kader – einen der besten der Bundeliga – in wenigen Monaten in den Schatten stellt?

Die früheren Torgaranten und Publikumslieblinge Kara und Fountas waren schon seit Jahresbeginn mit ihren Gedanken bei zukünftigen Aufgaben. Ihre abnehmende Spiellaune zeigt uns die Nachteile abgangswilliger Sprungbrettspieler. Und der sonstige Kader aus Routiniers und Jungspielern hatte nicht das Potenzial, es dem Neuzugang Marco auch nur annähernd gleich zu tun.

Kurzlebigkeit

Das Kommen-und-Gehen in einer heutigen Fußballmannschaft ist schon sehr auffällig und damit auch die damit verbundenen Leistungsschwankungen, und man fragt sich, wie denn das früher war.

Legionäre erzählen, dass sie ihr ganzes Fußballerleben bei Rapid verbracht haben und dass die Mannschaft viele Jahre unverändert auflaufen konnte. Davon kann Rapid heute nur träumen.

Damals, als Fußball noch ein Hobby war und die Sportler auch einen Hauptberuf haben mussten, dachte niemand daran, dass man mit dem Sport seinen Lebensunterhalt verdienen könnte, mehr noch, dass man mit 15 Jahren als Profispieler die Chance hat, für den Rest seines Lebens vom angesparten Kapital leben zu können. Genau das ist aber heute das Ziel: möglichst viel Geld zu verdienen, um sein zukünftiges Leben als Fußball-Pensionist finanziert zu wissen.

Ich wollte es genauer wissen. Wie lange spielt ein Spieler im Schnitt für Rapid, und wie war das früher?

Heute verweilt ein Spieler im Mittel 3 Jahre, vor 100 Jahren waren es fast 6 Jahre.

Seit 1900 zählen wir 744 Spieler, die wenigstens ein Spiel für Rapid bestritten haben. Wir unterteilen den Zeitraum 1930-2010 in Dekaden und tragen für alle Spieler, die in eine dieser Dekaden gespielt haben, die Anzahl der Spieltage ein. Der Zeitraum an 1930 wurde gewählt, weil die Aufzeichnungen der frühen Spiele nicht so exakt sind. Die Summe aller Spieltage wird durch die Anzahl der Spieler dividiert und auf Jahre umgerechnet, was die mittlere Spielzeit eines Spielers in einer dieser Dekaden ergibt.

Ich hätte mir einen größeren Unterschied erwartet. Man muss aber den Eindruck aus den Interviews der Legenden relativieren. Auch in ihren eigenen glorreichen Zeiten gab es Ergänzungsspieler, die heute nicht zum Interview gebeten werden und die eher in Vergessenheit geraten.

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