Präsident Wrabetz bei EwkiL

Vorgeschichte

Noch vor Beginn der Hauptversammlung vom 26.11. sah ich den – zu diesem Zeitpunkt noch – Präsidenten in spe bei unserem Herbert stehen, ein großartiges Motiv. Ich rannte in die erste Reihe und kam ausnahmsweise nicht zu spät.

Für mich war es einfach ein gelungenes Bild, doch einige Minuten später war Herbert bei mir und sagte, er habe Alexander Wrabetz zum kommenden Team-Treffen eingeladen und ich solle ihm eine schriftliche Einladung nachsenden. Na Bumm! Wir kennen die E-Mail-Adressen der Präsidiumsmitglieder nicht, also schrieben wir an das Klubservice und an Helmut MItter.

Man kann sich vorstellen, dass in der Zeit nach der Hauptversammlung und der Vorweihnachtszeit nicht gerade Langeweile bei Rapid herrscht. Dennoch hat es Heli geschafft, dass unsere Nachricht angekommen ist. Danke!

„Tafelrunde“

Am Donnerstag, 1. Dezember trafen sich 15 EwkiL-Mitglieder im kleinen Stüberl im Gasthaus Alt Wien. Die lange Tafel dürfte sich zu unserem bevorzugten Format entwickeln, weil sie – anders als ein Podium – so etwas wie „Einheit“ und „Gleichberechtigung“ signalisiert.

Wir warteten bei einem ausgiebigen Abendessen auf den prominenten Gast. Kommt er? Kommt er nicht?

Er kam!

Viel Zeit sei nicht, es gebe noch einen Folgetermin. Aber eine Stunde nahm sich Dr. Wrabetz Zeit, den Anhängern von Rapid die Zeit vor der Hauptversammlung zu schildern. Auch die Zusammenführung der zuletzt nurmehr zwei Listen war ein Thema.

Der frühere ORF-General hat aber nicht nur Freunde unter den Anhängern. Sogar in unserer kleinen Gruppe gibt es Gegner. Wenn man dann aber genauer nachfragt, was denn ihr Motiv ist, kommt man rasch bei der von ihnen abgelehnten GIS-Gebühr an, und diese Haltung färbt auch auf die Protagonisten des größten österreichischen Medienhauses ab, also auch auf den Generaldirektor.

Doch diese ORF-Zeiten sind vorbei, und wir sollten uns vorurteilsfrei auf einen grün-weißen „Wrabetz“ als Präsident freuen, unter dem Motto „Wer zusammenhält, gewinnt!“

Dr. Alexander Wrabetz

Von Martin Majnaric/Fotoredaktion ORF – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=29738068

Um unseren neuen Präsidenten bekannter zu machen, hier ein Abriss seiner bisherigen Stationen, einer beachtlichen Laufbahn.

  • 1960 * aus Döbling
  • 1983 Jurist
  • 1983 Vorsitzender des VSSTÖ
  • 1984 Bank der österreichischen Sparkassen
  • 1987 Vorstandsassistent der ÖIAG
  • 1992 Geschäftsführer der Voest Alpine Intertrading
  • 1995 Kuratoriumsmitglied im ORF
  • 1998 Kaufmännischer Direktor des ORF
  • 2005 Höchster Gewinn der ORF-Geschichte
  • 2006 ORF Generaldirektor (nominiert von Stiftungsräten mehrerer Fraktionen)
  • 2009 Online-TV-Thek
  • 2011 Wiederwahl
  • 2011 Spartensender ORF III und ORF Sport+
  • 2016 Wiederwahl
  • 2015 Mediemanager des Jahres
  • 2020 Silbernes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich
  • Zwei Söhne und eine Tochter, geschieden, liiert mit Leona König

Was besonders auffällt: Alexander Wrabetz hat sich von seiner ursprünglichen Ausbildung als Jurist dem Bereich Wirtschaft zugewendet und war dabei sehr erfolgreich. Schließlich hat ihn der damalige Generaldirektor Weis als kaufmännischen DIrektor zum ORF geholt. In dieser Funktion präsentierte er den höchsten operativen Gewinn in der Geschichte des ORF:

Die Umstände seiner Wahl zum Generaldirektor sind insofern bemerkenswert, als er von Vertretern aller Parteien gewählt wurde, ein Hinweis auf seine integrative und verbindende Persönlichkeit, die er auch bei Rapid zu unserem Vorteil nutzen kann.

Servus, Herr Präsident

Während der Vorbereitung des Abends habe ich mir eingeprägt, unseren Gast mit „Dr. Wrabetz“ anzusprechen und darauf zu warten, dass er – wie seine Vorgänger – von sich aus auf eine kameradschaftliche „Du“-Ebene übergehen würde. Diese Mühe hätte ich mir sparen können, denn das haben meine Klubkollegen rasch selbst entschieden und sprachen unseren Präsidenten wie einen alten Freund an. Ich hatte den Eindruck als wäre das nicht unbedingt seine Präferenz, aber wehren kann man sich dagegen auch nicht recht, men redet ja mit Kunden. Es heißt also ab jetzt: „Seavas, Herr Präsident!“

Zwischen den Zeilen

Es ist schon ein Kontrastprogramm, wenn sich der frühere ORF-General und jetzige Rapid-Präsident in die ungewohnte Umgebung eines Fanklubs begibt. Auf der Collage zu diesem Abend wurde versucht, diese integrative Kraft des Fußballs zu illustrieren.

Unser Gast ging breitwillig auf die Fragen aus dem Kreis unserer Mitglieder ein und es entwickelte sich ein informativer Dialog.

Man spürte es an der gehobenen Sprache unseres Gastes, dass bodenständige Anhänger nicht seine alltäglichen Gesprächspartner sind; er schaltete also nicht etwa auf „Wienerisch“ um. Ich hatte den Eindruck, als wären wir überhaupt der erste Fanklub, bei dem er zu Gast war, eine Rolle, die er wahrscheinlich genauso erlernen muss, wie wir uns an das neue Präsidium gewöhnen müssen.

Geschäftsführer

Früher wurde Rapid durch Andy Marek repräsentiert. Ob damals jeder wusste, wer gerade Präsident ist? Wer Andy Marek ist, das wusste jeder. Man hatte geradezu den Eindruck, als wäre Andy der Eigentümer von Rapid, so wie Hermann Maier – wegen seiner Werbeeinschaltungen – scherzhaft als der „Besitzer der Raiffeisen“ bezeichnet wurde.

Nicht zufällig bekam der nicht anwesende Christoph Peschek den längsten und lautesten und längsten Applaus, ein Zeichen für seine Verbindung zu den Anhängern.

Andy Marek wurde durch das Triumvirat Robert, Luki und Heli abgelöst, doch als Sprecher in Richtung Publikum entwickelte sich Christoph Peschek. Er war nach der Pandemie bei zahlreichen Bundesländerbesuchen und Stammtischen präsent.

Den Geschäftsführer kann man ersetzen, aber wie steht es mit dem Sprecher?

Bei diesem Thema konnten wir heraushören, dass unsere Außensicht nur ein Teil der Wahrheit ist und der Geschäftsführer intern anders wahrgenommen wurde als seine Botschaften nach außen. Einem „Rücktritt vom Rücktritt“ erteilt der Präsident eine Absage. Nun wird vorläufig die Stelle des Geschäftsführers mit Werner Kuhn besetzt und über die Nachfolge später entschieden werden.

Jedenfalls deutete der Präsident an, dass er unseren Hinweis, dass ein Rapid-Sprachrohr fehlt, berücksichtigen werde.

Zoki als Trainer

Für uns war die Kündigung von Zoki 2016 nach drei Saisonen am zweiten Platz ein Schock und es war eine Genugtuung zu erleben, dass der Drahtzieher dieser Aktion wenige Monate später selbst gehen musste. Dass man mit dieser Kündigung einen kapitalen Fehler gemacht hat, war dem damaligen Präsidium sehr bald klar. Es sollte aber einige Zeit dauern, bis man sich bei Zoki entschuldigen konnte, indem man ihm die vakante Stelle des Sportdirektors übertragen hat. Diese Rückholung als Sportdirektor war aber nur die zweitbeste Lösung. Dass die eigentliche Stärke von Zoki auf der Trainerbank ist, erlebten wir im Herbst nach dem Abgang von Ferdinand Feldhofer. Eigentlich ist das Traineramt eine Art Abstieg in der Rapid-Hierarchie, doch Zoki zeigt uns, dass ihn das nicht stört und er sich im Gegenteil wohl fühlt in dieser Rolle.

Können wir damit rechnen, dass man Zoki in dieser Rolle behalten wird?

In dieser Frage war der Präsident eindeutig. Auch er sieht die Situation ähnlich. Zokis Vertrag wird in einen Trainervertrag umgewandelt und bis 2024 verlängert.

Trotz dieser praktischen „internen“ Lösung würden viele einen ausländischen Trainer bevorzugen. Besonders gute Erfahrungen haben wir aber nicht gerade damit (siehe Mike Büskens). Dass die aktuelle Lösung „Zoki als Trainer“ von allen akzeptiert wird, können nur gute Ergebnisse bei den Spielen herbeiführen.

Tschechen bei Rapid

Ich arbeite an einem Artikel „Tschechen bei Rapid“.

In der Zeit der Monarchie waren es die vier Brüder Schediwy, in den 1920er Jahren Pepi Uridil, in den 1930er Jahren Pepi Bican und in den 1950ern Walter Zeman. Sie alle waren „Wiener Tschechen“, in Wien lebende Tschechen mit tschechischem Heimatschein (aus der Monarchie). Die Tschechen von heute, wie Antonín Panenka, Radek Bejbl, Marek Kincl oder Rene Wagner, sind das nicht mehr. Die Wiener Tschechen treten nicht mehr als Spieler in Erscheinung, wohl aber in Form der ausschließlich in der Ostregion verbreiteten Familiennamen wie zum Beispiel Fiala, Kopal, Peschek, Marek uva.

Der Zufall hat mir nun einen „Sperling“ (vrabec->wrabetz) als Präsidenten beschert, was für meinen Artikel sensationell ist. Mehr noch, seine derzeitige Lebensgefährtin Leona ist ebenfalls gebürtige Tschechin.

Wir haben in dem Zusammenhang erfahren, dass die Familie von Alexander Wrabetz bereits vor etwa 200 Jahren – also noch vor der Gründerzeit – nach Wien kam und damals die Eindeutschung des Namens erfolgte.

Gruppenfoto

Wir konnten den Präsidenten auch zu einem Gruppenfoto gewinnen. Wir bedankten uns für seinen Besuch und verabschiedeten ihn mit einer Kostprobe aus der Kurkonditorei Oberlaa.

Franz, Thomas, Brigitte, Erich, Robert, David, Christian, Christina, Cornelia, Alexander Wrabetz, Florian Arnold, Franz, Herbert, Wirt vom Gasthaus Alt Wien
David, Christian, Christine, Cornelia, Alexander Wrabetz, Florian

Der Wirt spendierte uns zum Ausklang unseres Abends eine Runde Marillenschnaps.

Auch ein kleines Geheimnis wurde gelüftet. Die Kellnerin im Gasthaus Alt Wien – die, die den ganzen Laden immer mit einem Lächeln schupft – hat einen leichten Akzent, und ich nahm an, dass sie – so wie der Wirt – aus Serbien kommt. Doch nein, sie ist Italienerin und kam vor sechs Jahren nach Wien. Nach wenigen Monaten lernte sie einen feschen Jugo kennen – und ist geblieben.

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